Häufig gestellte Fragen

Sind die Kinder bei jedem Wetter im Wald?

Die Kinder gehen jeden Tag raus in die Natur. Wichtig ist dabei die passende Kleidung ( z.B. Regensachen, Zwiebelprinzip und angemessenes Schuhwerk). Bei extremen Wettersituationen steht uns unser Waldhaus zur Verfügung.

Welche Ausrüstung/Kleidung braucht mein Kind?

Die Kleidung der Kinder sollte der Jahreszeit und der Witterung angepasst sein, d.h. bequeme Kleidung in mehreren Schichten. Das Zwiebelprinzip ist sinnvoll, da je nach Temperatur und Bewegungsdrang der Kinder einzelne Kleidungsstücke ausgezogen werden können. Bei feuchter Witterung sind Matschhosen, Gummistiefel und Regenjacke angebracht. Die Kinder tragen geschlossene Schuhe, die bei Nässe wasserdicht sein müssen. In den Sommermonaten tragen Waldkinder dünne, lange Hosen und langärmelige, dünne Oberteile sowie eine Kopfbedeckung. Als Zeckenschutz empfiehlt es sich, die Strümpfe über die Hose zu ziehen. Außerdem sollten die Kinder zu Hause mit Sonnenschutzmittel eingecremt werden.

Jedes Kind trägt seinen eigenen kleinen Rucksack (kindgerechte Größe und mit Brustgurt versehen). Darin befinden sich eine Getränke- bzw. Thermosflasche, eine Brotbox (die vom Kind selbst geöffnet werden kann), sowie Wechselunterwäsche, ggf. eine dünne Leggins, Wechselstrümpfe und zwei kleine Plastiktüten (als Überzug für die Ersatzstrümpfe in nass gewordenen Schuhen). Weitere Wechselkleidung haben wir immer im Handwagen dabei. Am Rucksack wird ein Pokissen (Sitzunterlage) z.B. mit einem Karabinerhaken befestigt.

Wie ist es mit der Hygiene beim Essen und dem großen und kleinen „Geschäft“?

Vor dem Frühstück waschen sich die Kinder mit Lavaerde (biologische Seife) und Wasser die Hände. Mit einem täglich frischen Handtuch werden die Hände getrocknet. Da viele Händer beim Händewaschen mit Seife, Flaschen und Handtuchhalten eingebunden sind, ist es ein schönes Ritual vor dem gemeinsamen Frühstück.

Für das kleine Geschäft gibt es an allen Waldplätzen ein abgelegenes Örtchen außerhalb des Spielbereichs. Alle Waldkinder bekommen dabei die Unterstützung die sie benötigen. Zur Ausrüstung des Handwagens gehören Schaufel und Toilettenpapier, so dass das größere Geschäft auch ordentlich unter die Erde kommt.

Wie kann ich mein Kind vor Zecken schützen?

Zum Schutz vor Zecken tragen die Kinder im Wald festes Schuhwerk und lange Kleidung (Strümpfe über die Hose). Nach einem Vormittag im Wald sollten die Eltern ihre Kinder dennoch zeitnah am ganzen Körper nach Zecken absuchen. Nach Absprache mit den Eltern werden entdeckte Zecken auch von uns entfernt. Das Einreiben mit natürlichen Produkten wie Kokos- oder Schwarzkümmelöl hat sich bewährt.

Und was ist mit dem Fuchsbandwurm?

Im Wald wird von den Kindern nichts geerntet und verzehrt. Am Waldhaus geerntete Beeren werden vor dem Verzehr gewaschen. Ergänzend siehe auch „Hygiene zum Essen“. Tote Tiere und Federn werden nicht angefasst.

Gibt es eine hohe Verletzungsgefahr im Wald?

Das Verletzungsrisiko im Wald wird durch festes Regelwerk, an das sich die Kinder halten müssen, klein gehalten. Dazu gehört z.B. ein achtsamer Umgang mit Stöcken (Stöcke werden nach unten gerichtet, es wird nicht gekämpft oder gerannt mit einem Stock in der Hand etc.), Schnitzen unter Aufsicht einer erwachsenen Person, Klettern über Kinnhöhe nur nach Absprache. Erste–Hilfe-Ausrüstung und in Erster Hilfe geschultes Personal sind selbstverständlich.

Werden Kinder im Waldkindergarten genügend feinmotorisch gefördert?

Eine gute Feinmotorik kann nur durch geschulte Grobmotorik entstehen. Unsere Waldkinder bewegen sich ständig auf verschiedensten Untergründen und üben dabei Klettern, Abfangen, Fallen und Aufrichten. Dadurch entwickeln sich Grobmotorik, ein starkes Gleichgewicht und eine gute Koordination, die die Voraussetzung für Feinmotorik bilden. Das Ausbilden einer präzisen Feinmotorik geschieht im Wesentlichen durch den Umgang mit Naturmaterialien (z.B. beim Bauen mit kleinen Ästen, Weben mit Moos, Gräsern oder Blättern etc.). Auch beim Seile knoten, Schnitzen oder Feilen üben die Kinder ihre Fingerfertigkeit.

Wie gut sind Waldkinder auf die Schule vorbereitet?

Unserer Erfahrung nach sind die Waldkinder, die wir in die Schule entlassen, optimal auf die Schule vorbereitet. Diese Erfahrung deckt sich mit den Rückmeldungen der zuständigen Grundschulen, mit denen wir im regen Austausch stehen. Die Jahre im Waldkindergarten befähigen die Kinder sich aus einer inneren Stabilität heraus auf neue Erfahrungen einlassen zu können. Ihr durch den Wald gut geschultes Gleichgewicht ermöglicht es ihnen, sich im Unterricht sitzend zu konzentrieren. Da es kein vorgefertigtes Spielzeug gibt, müssen die Kinder sich absprechen, was sie machen möchten und was sie dafür benötigen. Sie sind verstärkt auf die Mithilfe von anderen Kindern bzw. auf Teamarbeit angewiesen. Dadurch werden sowohl Sprachkompetenz als auch Sozialverhalten erheblich gefördert.

Welche besonderen Kompetenzen entwickeln die Kinder im Waldkindergarten?

Stille-Erfahrung
Der Wald bietet den Kindern die Möglichkeit, sich nach ihren Bedürfnissen den Raum zu nehmen, den sie brauchen (zum Beispiel zum Zurückziehen und Alleinsein oder aber zum Toben, Herumtollen und Zusammensein). Der Wald bietet die Möglichkeit, Stille erfahren zu können. Gerade in unserer hektischen und reizüberfluteten Welt ist das eine wertvolle Erfahrung. Die eigenen Bedürfnisse zu kennen und sich selbst zu spüren auch im Miteinander ist eine essentielle Kompetenz, um den eigenen Platz in der Gesellschaft einnehmen zu können.

Kreativität und Fantasie
Im Wald eröffnet sich Kindern ein Raum voller Möglichkeiten, in dem ihre Kreativität und Fantasie ganz natürlich angeregt werden. In unserem Handwagen befinden sich bewusst keine vorgefertigten Spielzeuge, sondern einfache Werkzeuge wie Seile, Eimer, Schaufeln oder Feilen. Diese Materialien geben nichts vor, sondern laden dazu ein, selbst Ideen zu entwickeln. Dadurch werden die Kinder zu aktiven Gestaltenden ihrer eigenen Spielwelt.

Sprachentwicklung
Durch das kreative und freie Spiel im Wald sind die Kinder sehr intensiv im Austausch miteinander. In Rollenspielen, in denen sie miteinander kommunizieren und Geschichten entwickeln erweitern sie stetig ihre Ausdrucksfähigkeit. Unsere Morgen- und Abschlusskreise setzen gezielte sprachliche Anreize. Mit Rhythmik, Liedern, Reimen und vielfältigen Sprachspielen fördern wir spielerisch das Sprachgefühl und den Wortschatz. Oft begleiten uns auch Bücher mit in den Wald. Über Zuhören, Erzählen und Weiterdenken, entsteht eine lebendige Sprachumgebung, in der Sprache ganz natürlich im Alltag wächst.

Schulung der Sinne
Alle Sinne des Kindes werden in einer Differenziertheit angesprochen, die der Vielfalt der Natur entspricht. Insbesondere für die Ausbildung der Basalsinne (Tastsinn, Gleichgewichtssinn und Bewegungskoordination) bestehen im Wald optimale Voraussetzungen. Unterschiedliche Untergründe fördern den Gleichgewichtssinn und die Körperwahrnehmung. Wechselnde Geräusche, Gerüche und Lichtverhältnisse schulen das Hören, Riechen und Sehen. Anders als in künstlich gestalteten Räumen bietet der Wald eine Fülle an echten, abwechslungsreichen Reizen, die sich ständig verändern und die Kinder dazu einladen, ihre Umwelt aktiv zu erkunden. So lernen sie ihre Sinne differenziert einzusetzen und ihre Wahrnehmung immer weiter zu verfeinern.

Zukunftskompetenz
Im Waldkindergarten entwickeln Kinder durch ihre täglichen unmittelbaren Naturerfahrungen ein tiefes ökologisches Bewusstsein. Sie erleben den Wald nicht nur als Spielort, sondern auch als schützenswerten Lebensraum, den sie mit allen Sinnen wahrnehmen und mit dem sie eine persönliche Beziehung aufbauen. Dieses Erleben prägt nachhaltig: Die Kinder lernen achtsam mit Pflanzen, Tieren und Ressourcen umzugehen und übernehmen ganz selbstverständlich Verantwortung für ihre Umwelt. So entsteht eine wichtige Zukunftskompetenz – ein bewusstes, respektvolles Handeln gegenüber der Natur, das weit über die Kindergartenzeit hinaus Bestand hat und angesichts gesellschaftlicher Herausforderungen wie Umwelt- und Klimaschutz von zentraler Bedeutung ist.