Pädagogische Praxis

1. Projektarbeit
2. Freies Spiel
3. Aktivitäten
4. Das letzte Kindergartenhalbjahr vor der Einschulung


1. Projektarbeit

Projektarbeit ist ein Baustein unserer pädagogischen Praxis und bedeutet, dass sich die Kinder mit Anleitung der Pädagogischen Mitarbeiterinnen über einen längeren Zeitraum hinweg einem Thema widmen.

  • Bei der Auswahl von Projektthemen behalten die Pädagogischen Mitarbeiterinnen die gesamte Spannbreite kindlicher Lebenswelten im Auge.
  • Projektthemen können sich aus dem Jahreskreislauf, aus den Interessen der Kinder oder auch aus pädagogischen und persönlichen Interessen der Mitarbeiterinnen entwickeln.
  • Projektarbeit heißt, sich auf einen Prozess einzulassen, offen zu sein für Wendungen und Änderungen, angeregt durch neue Erfahrungen, Begegnungen und Interessen.
  • Kinder und Pädagogische Mitarbeiterinnen sind eingebunden in gemeinsame Prozesse des Entdeckens, Erforschens und Ausprobierens.



2. Freies Spiel

Das freie Spiel bedeutet für das Kind, sich selber unter den gegebenen Bedingungen zu strukturieren, Entscheidungen zu treffen, zu kommunizieren, zu reagieren.
Das Kind gestaltet sein Spiel sebstbestimmt in Bezug auf:

  • die Zeiteinteilung während der Freispielphase
  • die Wahl des Ortes (in den gesetzten Grenzen im Naturraum)
  • die Auswahl von Materialien
  • die Entscheidung, ob das Kind lieber alleine spielt, sich einer bereits bestehenden Gruppe spielender Kinder anschließt oder sich selber Spielpartner sucht.

Das freie Spiel nutzen die Pädagogischen Mitarbeiterinnen als Chance, einzelne Kinder und /oder die Gesamtgruppe bei ihrem Tun zu beobachten, zu begleiten und Impulse zu setzen. Unsere Anliegen im freien Spiel sind auch:

  • den Kindern Vertrauen in ihre Kompetenzen und Ressourcen entgegenzubringen,
  • Diskussionen der Kinder untereinander zu fördern,
  • Regelverstöße zu diskutieren,
  • Grenzerfahrungen im körperlichen und kognitiven Bereich zu ermöglichen und zuzulassen,
  • günstige Freispielsituationen zu nutzen, um Kinder gezielt zu fördern und gezielt zu ermutigen.



3. Aktivitäten

Aktivitäten in der Gesamtgruppe sind wichtig für das Bewusstsein der Kinder für ihre Gruppe, schaffen Gemeinschaftserlebnisse und verbindende Erinnerungen.
Dazu gehören:

  • der tägliche Morgen- und Abschlusskreis und das gemeinsame Frühstück
  • kleine und große Feste, Ausflüge und Hausbesuche
  • Gemeinschaftsprojekte (z.B. Schatzsuche)
  • Lieder, Geschichten und Märchen
  • Kreis- und Tanzspiele
  • Versteck- und Fangspiele
  • Spontanes Zusammenfinden im großen Kreis, um etwas Neues oder besonders Schönes gemeinsam zu bewundern und seine Gefühle und Gedanken darüber auszutauschen: z. B. das erste Schneeglöckchen, ein Eichhörnchennest hoch oben im Geäst und vieles mehr.

Die räumlichen Möglichkeiten im Waldkindergarten begünstigen auch die Arbeit in kleinen Gruppen. Eine überschaubare kleine Gruppe eignet sich besonders für die Arbeit mit den Dreijährigen. In diesem Rahmen äußern sie eher ihre Bedürfnisse, die auch hier besser wahrgenommen werden können als in der Gesamtgruppe.

  • Kinder können sich in der Regel nach Interesse für ein Angebot entscheiden.
  • Kinder, die auf einem bestimmten Gebiet zu „Experten“ geworden sind, werden dazu ermutigt, ihr Wissen an andere Kinder weiterzugeben.

Auch schaffen die räumlichen Bedingungen im Naturraum gute Voraussetzungen für ein ungestörtes Einzelspiel. Ein Kind hat die Möglichkeit optisch abzutauchen, z. B. hinter einem Wurzelteller oder sich nach oben, in einen Baum zurückzuziehen. Den Wunsch, sich für einige Zeit zurückzuziehen, betrachten wir grundsätzlich als ein natürliches, gesundes Bedürfnis. Wenn ein Kind sich bewusst von der Gruppe absondert, sich eine „Auszeit“ von ihr gönnt, ermöglicht ihm das, danach wieder neu auf andere zuzugehen. Im Naturraum gibt es so viel zu erforschen und zu entdecken. Und manche Entdeckung genießt ein Waldkind lieber für einige Zeit ganz allein, bevor es die anderen Kinder hinzuruft.

(4.3 – 4.7 vergl. Ingrid Miklitz: Der Waldkindergarten – Dimensionen eines pädagogischen Ansatzes,
S. 114-117, S. 124-128)



4. Das letzte Kindergartenhalbjahr vor der Einschulung

  • Zur Einschätzung des Entwicklungsstandes des Vorschulkindes dient ein qualifizierter Beobachtungsbogen.
  • Die Vorschulkinder arbeiten regelmäßig als Kleingruppe an einem gemeinsamen Projekt. Die Auswahl der Themen und der Arbeitsinhalte richten sich nach den Interessen und nach dem Förderbedarf der jeweiligen Vorschulkindergruppe.
  • Mit dem Ziel, die Vorschulkinder auf die bevorstehende Veränderung freudig einzustimmen, genießen sie im letzten halben Kindergartenjahr einen „kleinen“ Sonderstatus innerhalb der Gesamtgruppe, der sowohl durch besondere Rechte als auch Pflichten zum Tragen kommt. Hierbei wird besonderen Wert darauf gelegt, dass die Vorschulkinder auch bezüglich ihrer Kleingruppe ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln und dabei lernen, sich in allen Belangen gegenseitig zu unterstützen und auch Sorge füreinander zu tragen.
  • Eltern, päd. Mitarbeiterinnen und Lehrer der Grundschule kooperieren hinsichtlich des Übergangs vom Kindergarten in die Grundschule miteinander.
  • Päd. Mitarbeiterinnen sowie Lehrkräfte der Grundschule stehen bezüglich der individuellen Bildungsbiographien der Vorschulkinder unter der Mitwirkung der Eltern in einem fachlichen Austausch.
  • Die Vorschulkinder besuchen die Grundschule und nehmen an mindestens einer Unterrichtseinheit teil.

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