Bildung

Bildung in unserem Wald- und Naturkindergarten

  • orientiert sich an den Lebenswelten der Kinder und Familien, die sich in unserer Einrichtung befinden
  • berücksichtigt die unterschiedlichen Lebenslagen und Weltsichten von Mädchen und Jungen
  • akzeptiert den jeweiligen kulturellen Hintergrund der Kinder und unterstützt sie individuell
  • betrachtet dabei Mehrsprachigkeit und kulturelle Erfahrungen als Entwicklungschance
  • berücksichtigt die Folgen des eigenen Handelns in ökologischer, kultureller, sozialer und ökonomischer Hinsicht
  • integriert und unterstützt Kinder mit besonderen Bedürfnissen
  • beteiligt die Kinder bei allen sie betreffenden Entscheidungen.

Die Kinder werden dabei unterstützt, in Selbstbildungsprozessen Selbst-, Sozial-, Sach- und Methodenkompetenzen in den unterschiedlichen Bildungsbereichen zu erwerben.

(Vergl. Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Schleswig-Holstein: Erfolgreich starten – Leitlinien zum Bildungsauftrag von Kindertageseinrichtungen (Sept. 2004), S. 15)

Bildungsthemen und ihre Inhalte im Naturraum

1. Körper, Gesundheit und Bewegung

2. Sprache(n), Zeichen/Schrift und Kommunikation
3. Mathematik, Naturwissenschaft und Technik
4. Kultur, Gesellschaft, Politik
5. Musisch-ästhetische Bildung und Medien
6. Religion, Philosophie und Ethik



1. Körper, Gesundheit und Bewegung

Sich bewegen

  • Die Körperwahrnehmung der Kinder wird geschult z.B. durch Gehen, Laufen, Rennen, Hüpfen in den Weiten der Natur.
  • Ausdauer, Kondition und Konstitution werden durch raumgreifende Bewegungen in der Natur gestärkt.
  • Gleichgewicht halten und motorische Geschicklichkeit werden erlernt durch Klettern auf Hängen und Bäumen, Balancieren auf unterschiedlich dicken Baumstämmen, Gehen auf unebenem Waldboden, Gehen im Matsch, Gehen im Schnee und Rutschen auf Eisflächen im Winter und durch das Überwinden von natürlichen Hindernissen (z.B. ein umgestürzter Baum oder ein großer Asthaufen).
  • Äste, Stämme und Steine werden gehoben, gezogen und in die Erde gedrückt. Kinder ziehen sich gegenseitig mit Seilen den steilen Hang hinauf und rutschen und kullern von oben wieder runter. Draußen in der Natur gibt es viel Platz zum Toben und Rangeln. Muskeln, Sehnen und Gelenke werden in hohem Maße beansprucht. All das erhöht die Tiefensensibilität der Kinder.

Sensorische Erfahrungen machen

  • Fühlen, z.B. durch unterschiedliche Kleidung, entsprechend dem Wetter, durch Temperatur- und Wetterempfindungen (Wärme, Kälte, Wind, Regen, Hagel, Schnee), durch Fühlen unterschiedlicher Beschaffenheiten (sandiger, harter, matschiger, lehmiger Boden, unterschiedliche Baumrinden, Krötenhaut, auf der Hand krabbelnde Spinnen, Käfer und Asseln, Blätter, Früchte, usw.).
  • Sehen, z.B. hell/ dunkel, Licht/Schatten, Entdecken und Beobachten von Tieren, durch die Vielfältigkeit der Farben und Formen in der Natur, Spuren erkennen, usw.
  • Hören, z.B. durch Stille, durch Sensibilisierung beim Horchen, durch Vogelstimmen erlauschen und zuordnen, Richtungshören (Wo ist der Specht, der dort klopft?).
  • Riechen, z.B. Gerüche des Waldes/der Natur erkennen.
  • Schmecken, z.B. beim Frühstücken, beim Trinken von selbst gemachten Holundersaft im Herbst und mitgebrachten Tees im Winter, beim Probieren von Weizenkörnern, Erdbeerbowle und Holunderpfannkuchen im Sommer.

Körperbewusstsein vertiefen

  • Kinder setzen sich auseinander mit: Gesundheit und Krankheit, mit gesunder Ernährung, mit Zahnhygiene und anderen hygienischen Aspekten, mit individuellen Empfindungen in ihrem Körper (z.B. warmer Bauch beim Teetrinken, starkes Herzklopfen nach dem Rennen, Müdigkeit am Ende eines Waldkindergartenvormittags, usw.).


2. Sprache(n), Zeichen/Schrift und Kommunikation

Miteinander Sprechen

Durch Lausch-, Wort- und Sprachspiele, Reime, Singen und vielfältige unterschiedliche Sprechanlässe, wie z.B. Gesprächsrunden, Erzählrunden, Gruppendiskussionen, Bilderbuchbetrachtungen, Kommunikation im Freien Spiel, durch Nachahmen erleben die Kinder Freude am Miteinander-Sprechen und üben sich darin:

  • sich anderen verständlich mitzuteilen
  • anderen aktiv zuzuhören
  • Mitteilungen von anderen zu verstehen
  • Gefühle und Stimmungen sprachlich auszudrücken
  • sich bei unterschiedlichen Anlässen an Gesprächsregeln zu halten
  • nachzufragen und Beiträge anderer zu würdigen
  • ihren individuellen Grundwortschatz zu erweitern
  • ihre Fähigkeiten in Satzbau und Grammatik zu erweitern
  • Lautstruktur der Sprache zu erkennen.

Schrift- und Zeichensprache verwenden
Der Zusammenhang zwischen Gehörtem und Schrift wird den Kindern deutlich durch vielseitige Literacy-Erfahrung. (Literacy-Erfahrung umfasst Kompetenzen wie Textverständnis und Sinnverstehen, sprachliche Abstraktionsfähigkeit, Lesefreude, Vertrautheit mit Büchern und mit Schriftsprache). Kinder erproben sich selbst:

  • im „Vorlesen“ (Erzählen zu Bildern)
  • durch Kritzelschrift z.B. mit einem Stock oder Stein im Sand
  • in Mitteilungen durch Symbole (z.B kann ein mit Ästen gelegtes Kreuz auf einen vergrabenen Schatz hinweisen oder bedeuten: „Achtung, Hundehaufen!“, ausgestreute Sägespäne-Haufen können einen Weg bei einer Rätsel- oder Schatzsuche markieren)
  • im Spuren lesen (z.B. Tierspuren finden und zuordnen).

Anderen Sprachen begegnen
Alle zwei Wochen werden die Waldkinder von einer Englisch-Fachkraft durch den Vormittag begleitet, die ausschließlich englisch mit ihnen spricht, den Morgen- und Abschlusskreis gestaltet, den Kindern das Lesen englischsprachiger Bilderbücher in Kleingruppen anbietet und mit den Kindern englischsprachige Lieder und Tanzspiele singt.


3. Mathematik, Naturwissenschaft und Technik


Mathematik

Im Naturraum werden eine Vielzahl von Möglichkeiten genutzt, um in Kindern das Interesse an Mengen und Zahlen wach zu halten und gezielt zu fördern. Wenn Kinder sich in der Natur mit Zahlen befassen, so sind sie dem Geheimnis ihrer Gesetzmäßigkeiten auf der Spur, erahnen die Strukturen, die innere Ordnung, die auch dieses scheinbar ungeordnete System prägt.

Einige Beispiele für das Erfassen von Mengen und Gewichten:

  • In den einzelnen Jahren treten unterschiedliche Fruchtpopulationen auf (z.B. ein bucheckernreiches, -armes Jahr).
  • In einem Gebiet wachsen mehr Pflanzen einer bestimmten Sorte, als in einem anderen.
  • Durch viele Blumen der gleichen Art sieht die Wiese gelb oder weiß aus oder bekommt einen Blaustich.

Einige Beispiele für das Erfassen von Zahlen:

  • Es gibt Bäume mit paarig gefiederten und unpaarig gefiederten Blättern; wie viele Einzelblätter befinden sich an einem quirlständigen Aufbau?
  • Wie alt ist der Baum? Zählen von Baumringen (Markieren in Zehnergruppen, Zuordnung von Bodentieren nach Anzahl der Beinpaare).
  • Kinder zählen im Morgenkreis. Wie viele Kinder fehlen?
  • Gruppenabstimmung: Wie viele Kinder sind für oder gegen etwas?
  • Welcher unserer Waldplätze ist der größte/kleinste (Abmessung mit großen Schritten)?

(Vergl. Ingrid Miklitz: Der Waldkindergarten – Dimensionen eines pädagogischen Ansatzes, S. 74-75)

Naturwissenschaften
Die Kinder setzen sich mit unterschiedlichen Erscheinungsformen der belebten und der unbelebten Natur auseinander. Sie nutzen vielfältige Gelegenheiten zum Beobachten und Experimentieren.
Sie setzen sich mit Phänomenen auseinander, wie z.B.:

  • Licht und Schatten
  • Wasser, Erde, Luft und Feuer
  • Wettererscheinungen
  • Zersetzungsprozesse
  • Naturkreisläufen

Kinder beschäftigen sich damit:

  • Naturwissenschaftliche Gesetzmäßigkeiten kennen zu lernen (z.B. Schwerkraft, Fliehkraft, Hebelkraft, welche Dinge im Wasser schwimmen und welche untergehen)
  • Pflanzen- und Tierarten bestimmen zu lernen
  • deren Lebensweise und Lebensräume kennen zu lernen
  • Vogelstimmen zu unterscheiden und zuzuordnen
  • Tierspuren zu „lesen“
  • ihr Lebensumfeld Natur und Umwelt verantwortlich mitzugestalten

Technik
Kinder setzen sich mit technischen Phänomenen auseinander. Einige Beispiele:

  • Werkzeuge kennen lernen und benutzen (z.B. hebeln, schnitzen, sägen, feilen)
  • Seile knoten / Bauen von Seilkonstruktionen
  • Wippen und Schaukeln bauen
  • Architektur und Statik (Hüttenbau, Brückenbau)
  • Zeit messen mit Sonnenuhren


4. Kultur, Gesellschaft, Politik

  • Kinder werden ermutigt, sich als aktiv Teilhabende und Gestaltende in der Gruppe zu erleben.
  • Sie werden darin unterstützt, sich für sich selbst und für andere einzusetzen und ihre Meinung zu äußern.
  • Kinder erfahren, dass sie für ihr eigenes Handeln und im Zusammenleben mit anderen Verantwortung tragen.
  • Kinder bestimmen ihren Lebensalltag im Wald- und Naturkindergarten mit.
  • Sie üben sich in demokratischen Abstimmungen.
  • Kinder sind in kulturelle Abläufe und Riten eingebunden.
  • Sie erleben, dass Familien in vielerlei Hinsicht unterschiedlich sind.


5. Musisch-ästhetische Bildung und Medien

Malen und Gestalten

  • Die Kinder werden unterstützt, ihre Gedanken, Ideen und Gefühle im Malen und Gestalten auszudrücken und ihre Wahrnehmungen zu differenzieren.
  • Sie beschäftigen sich mit unterschiedlichen Materialien, wie z.B. Lehm, Sand, Matsch, Steinen, Blättern, Früchten.
  • Sie machen Kunst und Kunsthandwerk in der Natur, indem sie z.B. Mobile aus Naturmaterialien anfertigen und in die Bäume hängen, Mosaike mit Beeren, Stöcken, Zapfen, Steinen, Blättern, Moos und vieles mehr auf dem Waldboden kreieren oder modellierte Lehmgesichter an Baumstämme drücken.
  • Die Kinder schminken ihre Gesichter, malen mit Holzkohle auf Steinen und Baumstämmen, nehmen farbige Abdrücke der Rinde von Bäumen.
  • Sie fertigen Ketten und Figuren aus z.B. Kastanien und Eicheln an.
  • Sie malen und drucken auf Papier.

Musizieren

  • Die Kinder werden gefördert, ihre Stimme und Klangeigenschaften von Materialien zu erforschen und auszuprobieren.
  • Die Kinder bauen Rhythmusinstrumente aus Naturmaterialien.
  • Sie singen Jahreszeiten-, Bewegungs- und Tanzlieder.
  • Sie begleiten Klanggeschichten mit Rhythmik und Geräuschen.

Rollenspiele und Theater

  • Mädchen und Jungen schlüpfen in andere Rollen und erweitern damit ihr Ausdrucks- und Handlungsrepertoire, z.B. in Rollenspielen, Verkleiden, Puppenspielen und Schattenspielen.
  • Die Kinder besuchen in regelmäßigen Abständen ein Kinder-Theater.


6. Religion, Philosophie und Ethik

  • Die Kinder setzen sich im Zusammenleben in der Gruppe mit Themen wie Gerechtigkeit, Normen und Werte, Toleranz, Nächstenliebe und Achtung vor der Würde des Menschen auseinander.
  • In der Auseinandersetzung mit Geschichten und Bilderbüchern z.B. zu den Themen Glück/Unglück, Freude/Leid, Gesundheit/Krankheit, Leben/Tod, Reichtum/Armut, Frieden/Streit, Freundschaft, Liebe, Glaube, Spiritualität und in gemeinsamen Gesprächen darüber finden die Kinder eine Grundhaltung, die ihnen Orientierung bietet.
  • Die Kinder werden dabei unterstützt, in Konfliktsituationen nach kreativen friedlichen Lösungen zu suchen.
  • Das hautnahe Erleben in der Natur regt die Kinder an, sich mit Sinn-Fragen des Lebens und mit den Zyklen von Werden und Vergehen zu beschäftigen.
  • Die Kinder setzen sich mit unterschiedlichen Glaubensrichtungen und mit deren kulturellen und philosophischen Aspekten auseinander.

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